Christiane Greve vor ihrem Tiny House

Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Christiane und ihr Tiny House fürs Alter


Christiane Greve träumt davon, im Alter in einer Tiny-House-Siedlung mit Gleichgesinnten zu leben. Ihr Tiny House ist seit drei Jahren fertig und hat mittlerweile auch eine großzügige Terrasse. Hier verbringt sie ihre Wochenenden. Jetzt fehlt der 66-jährigen Neu-Rentnerin nur noch ein Grundstück für ihr Tiny Wohnglück.

  1. Ein selbstgebautes Tiny House als Alterswohnsitz
  2. Praktisch und altersgerecht: Alles auf einer Ebene
  3. Christianes Bauwagen ist beheizbar mit Holz und Strom
  4. 5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Christiane Greve

Christiane Greve hat drei Jahre lang neben ihrem Job als Leiterin eines Kinderhauses in München jedes Wochenende an ihrem Tiny House gearbeitet. Seit drei Jahren ist es fertig – aber vollständig einziehen konnte die 66-Jährige bislang noch nicht. Dafür fehlt ihr noch der geeignete, endgültige Stellplatz.

Bis sie den gefunden hat, verbringt sie alle ihre Wochenenden dort, im Süden von München auf der Kuhwiese eines Bauernhofes. Sie hat dort weder einen Wasser- noch einen Stromanschluss. So behilft sie sich im Sommerhalbjahr ganz einfach mit Wasser aus einer kleinen Tonne. 

Ein bisschen Strom liefert ein Solarpanel auf dem begrünten Dach. Doch das liefert in der kalten Jahreszeit nicht ausreichend Licht. "Deshalb übernachte ich im Winter nicht dort", sagt die Erzieherin und Familientherapeutin, die seit März ihre wohlverdiente Rente angetreten hat. "Ich hoffe, dass sich jetzt, wo ich mehr Zeit habe, in Sachen festem Stellplatz etwas ergeben wird."

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Ein selbstgebautes Tiny House als Alterswohnsitz

Christiane Greve hat ihr 30 Quadratmeter großes Tiny House mithilfe einer Zimmerin gebaut. Außerdem haben viele Freunde und auch ihre Kinder mitgeholfen. Das Wissen, wie man so etwas angeht, hatte der kleine Bautrupp von einer Firma, die Bauwagen hauptsächlich für Waldkindergärten baut, sowie von besagter Zimmerin, die sich intensiv mit dem Bau von Baumhäusern beschäftigt hat. Daneben erfolgte noch wichtiger Input von einem Bootsbauer, der sich bestens mit "Bauen auf kleinem Raum" auskennt. Mittlerweile besitzt Christiane auch eine eigene Terrasse mit Dach "Diese haben meine Söhne gebaut", erzählt sie stolz. 

Etwa 60.000 Euro hat Christiane in ihr Minihaus investiert. Es ist kein typisches Tiny House mit oben liegendem Schlafloft, sondern eher wie ein "normales" kleines Haus konzipiert, da es eben Christianes Alterswohnsitz werden soll. 

Die Terrasse haben Christianes Söhne nachträglich angebaut.

Praktisch und altersgerecht: Alles auf einer Ebene

"Ich wollte nicht Leitern hochklettern, um ein Bett in zweiter Ebene zu erreichen. Und ich wollte kein Bett hochklappen, um darunter einen Schreibtisch unterzubringen. Ich wollte einfach genug Platz haben, um entweder einen Rollator zu Hilfe nehmen zu können oder Platz für eine Hilfsperson, wie einen Pflegedienst, zu haben", sagt die 66-Jährige.

Das Häuschen hat die Form eines Bauwagens. "Das war immer mein Traum, in einem Bauwagen zu leben", sagt Christiane. Das heißt, das Haus steht auf einem Anhänger. Es hat drei Räume: einen Schlafraum, in dem das Bett auch als Sofa nutzbar ist und der gleichzeitig als Wohnzimmer dient, einen großen Essraum mit Küchenecke und einem Tisch sowie ein kleines Bad. Und eben die große Terrasse, die direkt vor dem Essraum liegt und diesen Raum damit vergrößert.

Die Wände des großen Hauptraums bestehen aus Lehmputz. Der übrige Wagen aus Holz. Die Wände im Schlafraum sind halb aus Zirbenholz, halb aus Lehmputz gefertigt.

Auf das Gründach könnte man sich an einer kleinen Stelle durchaus auch drauf setzen. Später soll eine Holztreppe hinauf führen und momentan steht hier eine kleine Solarstation. Christiane Greves Plan ist aber eigentlich, dass sie später mit mehreren Personen eine große Solarstation neben dem Wagen hat.

Christianes Bauwagen ist beheizbar mit Holz und Strom

Geheizt wird mit einem Holzofen. An der Decke des großen Raums gibt es allerdings schon eine Befestigung für eine Infrarotheizung. Im Bad plant die Baufrau einen Infrarotspiegel. "Diese Heizmöglichkeiten kann ich aber erst aktivieren, wenn ich entweder am Stromnetz bin oder eine größere Solaranlage habe", sagt sie.

Christiane hat ihr Haus von seinem Bauplatz schon einmal durch das Dorf, in dem sie wohnt, gezogen. Den weiteren Weg zu ihrem momentanen Standort musste sie jedoch mit einem Tieflader organisieren.

  • Terrasse am Tiny House
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  • Tiny House im Schnee
  • Wohn- und Schlafbereich im Tiny House
  • Küche in einem Tiny House
  • Begrüntes Tiny-House-Dach

5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Christiane Greve

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Die Intention, ein kleines Haus zu bauen, begann mit dem Gedanken der Minimalisierung, nachdem ich nach dem Tod meiner Tante und meiner Mutter festgestellt habe, wie viel Besitz eigentlich weggeschmissen wird – und zwar von den Angehörigen. Also dachte ich, besser ich reduziere schon mal jetzt und vor allem: selbst! Ich glaube auch, dass es hilft, eine gewisse Klarheit um sich zu haben, wenn man nicht mehr so viel Materielles hat.

Ein Grund war auch der niedrige Energieverbrauch, damit ich mal mit meiner Rente besser wirtschaften kann.

Eigentlich möchte ich dieses Haus auf ein Grundstück stellen, auf dem es mehrere kleine Häuser gibt, und dann mit mehreren Leuten gewisse Dinge gemeinschaftlich nutzen, wie zum Beispiel die Waschmaschine. Das macht einfach Sinn. Ich finde die Vorstellung, mein Wohnen mit anderen zu teilen und dennoch meinen eigenen Raum um mich zu haben, sehr schön.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Die Hürden, also einen Stellplatz zu finden und eine Baugenehmigung zu bekommen, habe ich noch nicht überwinden können. Gerade in Bayern ist das sehr schwierig.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Die größte Herausforderung ist, erstmal einen Stellplatz zu finden.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Die Gemütlichkeit so eines kleinen Hauses und das Gefühl, direkt in der Natur zu leben. Das Überschaubare, das Einfache.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Das Schwierigste war für mich (und das war allerdings anders vorgesehen), dass ich gleichzeitig beruflich so eingespannt war. Andererseits war es für mich wichtig, noch zu arbeiten, da ich mein volles Einkommen brauchte, um das alles zu bezahlen, und dies ist sehr wichtig, weil auch nach der Fertigstellung immer noch so viele Kosten anfallen.

Christianes Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Wenn man so eine Vision hat: Dran bleiben und sich nicht zu sehr auf das Endergebnis fokussieren. Seid offen, ändert auch mal eure Ideen. Legt ruhig los und denkt nicht gleich an tausend Hindernisse. Und sucht euch als erstes einen Bauplatz!

Folgender Artikel gibt euch zumindest schon einmal eine gute Übersicht, wo in Deutschland aktuell neue Tiny-House-Siedlungen entstehen.

Unser abschließender Tipp: Ihr wollt noch von anderen Tiny-House-Bewohnern lesen? Auf unserer Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück".

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