Maria Kravanja vor ihrem roten Tiny House

Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Maria Kravanja und ihr spottbilliges, selbst gebautes Tiny House


Die Studentin Maria Kravanja wollte nachhaltig leben und das in ihren eigenen vier Wänden. Also baute sie sich auf dem Anhänger eines schrottreifen Wohnwagens für nur 3.500 Euro ein eigenes Tiny House. In unserer Serie Tiny Wohnglück erzählt sie vom Leben in ihrem Minihaus.

  1. Die eigenen vier Wände für 3.500 Euro
  2. 5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Maria Kravanja

Vor einem Jahr rettete Maria Kravanja einen maroden Wohnwagen vor dem Schrottplatz, riss ihn ab und baute sich auf seinem Anhänger ein Tiny House. Und das, obwohl die 22-jährige Kulturwissenschafts-Studentin keinerlei handwerkliche Erfahrungen hatte. Seit acht Monaten wohnt sie nun in ihrem nur 10,5 Quadratmeter großen Tiny House, das im österreichischen Villach steht.

Das Wissen, wie man ein solches Minihaus auf Rädern baut, hatte sie zu 90 Prozent aus YouTube-Videos, außerdem hat ihr ihre handwerklich versierte Tante geholfen. Die Elektrizität und Wasserinstallationen haben Freunde gemacht, die sich damit auskennen.

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Die eigenen vier Wände für 3.500 Euro

Der Bau ihres Häuschens hat sie inklusive Transport an den Stellplatz nur 3.500 Euro gekostet – weil Maria Kravanja viele Materialien recycelte und auf Baustellen nach übrig gebliebenem Holz fragte. Aus alten, bunten Glasresten hat Maria Mosaikfenster für ihr Häuschen gefertigt, auf die sie besonders stolz ist.

Das winzige Häuschen verfügt über eine Hochebene zum Schlafen, eine Küchenzeile, eine Sofaecke und ein knapp ein Quadratmeter großes Badezimmer mit ebenfalls selbst gebauter Komposttoilette und upcycelter Dusche. "Mein Badezimmer war eines der kompliziertesten Dinge zu bauen, weil es so winzig ist", erzählt die Studentin.

Beheizt wird das Häuschen momentan mit einer Infrarotheizung. Maria möchte mit ihrem Tiny House aber irgendwann komplett autark und nicht mehr auf einen Wasser- oder Stromanschluss angewiesen sein.

Das Tiny House ist prinzipiell transportabel, hat aber keinen TÜV. Deshalb muss Maria es mithilfe eines Tiefladers transportieren, wenn sie umziehen möchte. Genau das hat die 22-Jährige bald vor. Sie möchte ihr Studium in Berlin fortsetzen und ihre Unterkunft gleich mitbringen. Dafür benötigt sie allerdings noch einen Stellplatz mit Wasser und Stromanschluss, auf dem sie für mindestens zwei Jahre das Tiny House aufstellen kann. Daher unser Aufruf an dieser Stelle: Wer Maria weiterhelfen kann, schreibt ihr bitte an mariakr@edu.aau.at.

  • rotes, selbstgebautes Tiny House
  • Holzkonstruktion Tiny House on Wheels
  • Blick in die Küche des Tiny Houses
  • Blick ins Innere eines Tiny Houses

5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Maria Kravanja

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Die Art, wie ich lebe, soll nicht Teil eines Problems für diese Welt sein, sondern Teil einer Lösung. Etwas neu zu bauen bedeutet meistens Boden zu versiegeln, große Mengen an Ressourcen zu verbrauchen und dann ein großes Haus zu haben, für das man viel Zeug braucht um es einzurichten, viel Energie, um darin leben zu können und vor allem viel Arbeit, um es zu erhalten. All das sind Dinge, die Teil eines globalen Problems sind, das mit der Verschmutzung und Ausbeutung unserer Umwelt einhergeht.

In Städte zu ziehen, wie ich gerne nach Berlin ziehen möchte, kurbelt dort oft die Gentrifizierung an und verursacht somit noch mehr Probleme. Mein eigenes mobiles Haus zu haben, es selbst aus vor allem recycelten Materialien und ohne Bodenversiegelung zu bauen, dann nicht viel Zeug haben zu können (was ja auch meist irgendwo mit dem Aufwand von Ressourcen nicht besonders umweltfreundlich produziert wird), da der Platz in meinem Haus begrenzt ist, mich damit auf das Wesentliche im Leben zu fokussieren – das ergab für mich Sinn!

Tiny Häuser sind sicher keine Lösung für alle Probleme dieser Welt. Aber mein Tiny House ermöglicht mir einen kleinen individuellen Beitrag zur Lösung großer Probleme zu leisten.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny House ziehen zu können?

Besonders schwierig war es, einen passenden Anhänger zu finden, der mein Budget nicht überschreiten würde. Besonders wenn man keine Ahnung von Anhängern hat. Der Anhänger, den ich durch meinen Wohnwagen bekam, war dann zwar dafür geeignet etwas darauf zu bauen, aber er musste komplett restauriert werden.

Auch die Stellplatzsuche gestaltete sich schwierig, aber mit viel Mundpropaganda klappte es dann doch. An die Presse zu gehen hat mir dabei geholfen, weil viele lokale Zeitungen, aber auch Online-Magazine, über mich berichteten. Dieses Glück habe ich jetzt auch in Berlin. Berichte in der Berliner Zeitung, im Berliner Kurier aber auch in vielen Facebook-Gruppen helfen mir bei der Suche nach einem Stellplatz.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Mit den Menschen klarzukommen, die einem gerne sagen wollen, dass man in so etwas nicht leben kann. Das Leben im Haus an sich ist für mich kein Problem und bis jetzt hat es auch keine größeren Herausforderungen gegeben. Ich habe mir vorher klargemacht, was meine Bedürfnisse sind und mein Haus genau so gebaut. Jetzt bin ich einfach nur glücklich!

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Mein selbst gemachtes Buntglasfenster anzusehen, wenn die Abendsonne darin funkelt. Aufzuwachen und in einem Raum zu sein, den man selbst erschaffen hat. Zu wissen, dass wenn etwas nicht funktioniert, wo man schnell etwas aufschrauben muss, um es zu reparieren, weil man sein Haus kennt wie seine Westentasche. 30 Minuten zu putzen und das ganze Haus blitzblank zu haben. Flexibel zu sein und keinen Kredit im Nacken zu haben. Eine neue Idee für etwas haben und es einfach dazu bauen zu können. Am Abend mit einem Glas Wein auf meiner Couch sitzen und jede Ecke meines Hauses sehr glücklich zu bestaunen und sich an alle Fehler und Anstrengungen beim Bauen zu erinnern.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Haha, ich würde alles anders machen und eigentlich nichts. Ich habe JEDEN Fehler dreimal gemacht und ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll.

Eine Sache hätte ich aber wirklich vorher gerne gewusst: Dass es egal ist, was die Leute sagen. Wenn sie das Haus erst einmal fertig sehen, dann sind sie alle begeistert. Die, die nicht begeistert sind, sind einem dann aber auch egal, wenn man in seinem eigenen Haus lebt.

Außerdem: Dass man Geduld und Mut nicht verlieren darf beim Bauen, auch wenn alles mal wieder nicht geht. Dass es fast keinen Fehler gibt, den man nicht reparieren kann und dass alles halb so schlimm ist, wie man es sich denkt.

Maria Kravanjas Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Ihr müsst es WIRKLICH machen, sonst passiert es nicht. Also fangt einfach an.

Ihr wollt noch von anderen Tiny House-Bewohnern lesen? Auf unserer großen Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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